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Gesundheitswirtschaft, E-Health und Health Communication

Bis vor einigen Jahren wurde das Gesundheitswesen vor allem als Kostenfaktor des Solidarsystems wahrgenommen. Inzwischen wurde erkannt, dass das Gesundheitswesen durch seine hohe Innovations- und Beschäftigungsintensität ein Wachstumsmarkt par excellence ist. Dabei hat sich die Gesundheitswirtschaft mit ihren exportiven Anteilen zu einem der größten Wirtschaftszweige in Deutschland entwickelt und durchdringt mittlerweile nahezu alle Lebensbereiche unserer Gesellschaft. Neben den klassischen Marktteilnehmern wie der pharmazeutischen und der Medizinprodukte-Industrie sind es vor allem informationstechnologische Innovationen, die zur Etablierung von neuen Wertschöpfungsketten und Transformationspfaden führen. Diese können unter dem weiten Begriff des E-Health zusammengefasst werden.

E-Health-Anwendungen sind spätestens seit der Diskussion um die elektronische Gesundheitskarte, gesundheitsbezogene Internetforen oder telemedizinische Anwendungen ein Begriff und werden bereits in vielen Bereichen des Gesundheitswesens verwirklicht. Die Marktpotenziale gelten dabei als die maßgeblichsten im Zukunftsmarkt der Gesundheitswirtschaft. E-Health hat zum Ziel, Prozessabläufe sowie jede Form der Gesundheitskommunikation zu optimieren und damit Informationsverluste, Transaktions- und Produktionskosten zu minimieren. Neben praktischen Anwendungen versteht sich E-Health auch als Wissenschaft, die untersucht, inwieweit der Einsatz moderner Informations- und Kommunikationstechnologien tatsächlich die medizinische Versorgung, deren Qualität sowie die Patientenorientierung im Gesundheitswesen verbessern kann.

In Anbetracht der Dynamik dieses noch jungen Fachgebiets hat der Bereich „Gesundheitswirtschaft, E-Health und Health Communication“ am IMG eine vergleichsweise lange Vorgeschichte. Der Schwerpunkt konnte mittlerweile erfolgreich in Forschung und Ausbildung der Universität Bayreuth integriert werden. Darüber hinaus sind unsere Tätigkeiten gleichermaßen wissenschaftlich wie gesundheitswirtschaftlich ausgerichtet – einerseits durch die Anbindung an universitäre Partner, andererseits durch die Kooperation mit Vertretern der Gesundheitsindustrie. Diese Kooperationen sind umso wichtiger, da sich die Gesundheitswirtschaft als interdisziplinäres Gebiet mit Schnittstellen zu Wissenschaftsbereichen wie Gesundheitsökonomie, Pharmaökonomie, Versorgungsforschung, Informatik sowie Kommunikations- und Medienwissenschaften versteht.

Schwerpunkt der Forschungsaktivitäten ist es, die aktuelle Nutzung von innovativen Technologien im deutschen Gesundheitswesen zu erfassen und zu bewerten. Dies reicht von gesundheitsorientierten Apps (Application) bis hin zur Konvergenz komplexer digitaler Technologien.  Aus den gewonnenen Erfahrungen werden Modellprojekte für eine moderne Gesundheitsversorgung der Zukunft initiiert. Ziel ist es, marktfähige Konzepte zu entwickeln, die der Versorgungsrealität einerseits und den gesundheitsökonomischen sowie technologischen Notwendigkeiten andererseits Rechnung tragen. Dabei geht es neben dem nachhaltigen Management von Krankheiten auch um die Unterstützung von noch gesunden Bürgern unter Einbeziehung von gesundheitsassoziierten Dienstleistern im Zukunftsmarkt einer mobilen Informationsgesellschaft.

Ansprechpartner: Reiner Hofmann

Ausgewählte Projekte

CardioBBeat - Economic Analysis of TeleHealth [Externer Link]

Bericht der gematik zur testregionenübergreifenden Evaluation der 10.000er Tests bei der Einführung der  elektronischen Gesundheitskarte (gematik-Bericht Feldtest Release 1) [Externer Link]

Vergabe des Innovationspreises e-health 2008

2008 veranstaltete das Institut für Medizinmanagement und Gesundheitswissenschaften bereits zum dritten Mal das Symposium e-Health und Health Communication. Entsprechend der interdisziplinären Konzeption des Symposiums und des übergreifenden Themas „e-Health aus Sicht von Anwendern und Industrie“ lud das Institut zahlreiche Wissenschaftler aus unterschiedlichen Forschungsgebieten, Stellvertreter aus Industrie und Politik sowie Leistungserbringer und Krankenkassenvertreter nach München in die Carl Friedrich von Siemens Stiftung am Schloss Nymphenburg ein. In den Fachvorträgen der hochkarätig besetzten Veranstaltung und im Austausch zwischen Teilnehmern und Referenten wurden Gestaltungsoptionen einer Gesundheitsversorgung von morgen aufgezeigt, gesellschaftliche und politische Fragestellungen von e-Health diskutiert und auch neue, denkbare Geschäftsfelder herausgearbeitet.

Erstmalig in diesem Jahr wurde im Rahmen des Symposiums der mit 5000 Euro dotierte „Innovationspreis e-Health 2008“ verliehen. Ziel dieser Initiative des Instituts für Medizinmanagement und Gesundheitswissenschaften der Universität Bayreuth ist es, innovatives und kreatives Handeln zu fördern. Herausragende und langfristig tragfähige e-Health-Projekte aus Wissenschaft und Wirtschaft sollen durch diese Plattform dem Fachpublikum und einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt und deren Potenziale für ein e-Health gestütztes Gesundheitswesen aufgezeigt werden.

Das telemedizinisch unterstützte Netzwerk „talkingeyes & more“ zur Früherkennung und Prävention von hypertonie-bedingten Erkrankungen in Gehirn, Auge, Herz und Niere überzeugte dabei die ehrenamtliche Jurorenschaft mit seiner Ausgewogenheit zwischen klinischer Relevanz und Marktorientierung am meisten. Der Hauptpreis und drei weitere Sonderpreise wurden durch Herrn Staatsminister Sinner überreicht.

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