Gesundheitssystemforschung

Dem Ruf nach sinnvollen Reformen des Gesundheitssystems können Politiker nur nachkommen, wenn ihnen die Wissenschaft fundierte Daten zur Entscheidung an die Hand gibt. Diese Aufgabe erfüllt die recht junge Wissenschaft der Versorgungsforschung bzw. Gesundheitssystemforschung mit der Generierung einer wissenschaftlich belastbaren Basis. Vor dem Hintergrund der Strukturreform des Gesundheitswesens werden hierbei v. a. die Wechselwirkungen und Rückkopplungsprozesse, die in der medizinischen Versorgung stattfinden, untersucht.

Schwerpunkte unserer Forschung

Ziel unserer Arbeit ist es zu erklären, inwieweit sich neue Versorgungsmodelle, z. B. Konzepte der Integrierten Versorgung, auf die Versorgungsrealität der Patienten auswirken. Darüber hinaus untersuchen wir auch die Effekte neuer gesetzlicher Regelungen, z. B. Zuzahlungen und Selbstbeteiligungen, auf den Versorgungsalltag der Patienten sowie deren Compliance (Therapietreue). Des Weiteren analysieren wir die Wahrnehmung der Delegationspraxis und deren Konsequenzen aus der Sicht unterschiedlicher, beteiligter Berufsgruppen. Hierbei werden situativ hemmende sowie fördernde Rahmenbedingungen eruiert und idealtypische Szenarien für die Delegation ärztlicher Leistungen entwickelt. Insgesamt liegt der Fokus unserer Forschung darauf, Faktoren zu identifizieren, die auf individueller, organisatorischer sowie systembezogener Ebene einen positiven bzw. negativen Einfluss auf die Akzeptanz und Verbreitung neuartiger Versorgungskonzepte ausüben. Unsere Studien beschränken sich dabei nicht auf bestimmte Krankheitsbilder oder medizinische Eingriffe, sondern umfassen ein weites Spektrum, das von Schlaganfall über Bluthochdruck und Alternativmedizin bis hin zur Transplantationschirurgie reicht.

Ein Schwerpunkt: Entscheidungskriterien für das Setzen von Prioritäten

Vor dem Hintergrund des Kostendrucks in der Gesetzlichen Krankenversicherung stellt sich auch immer häufiger die Frage danach, wie unter Knappheitsbedingungen Prioritäten in der Krankenversorgung gesetzt werden können bzw. müssen. Wenn wir uns nicht mehr leisten können, allen Patienten stets die maximale Therapie zugänglich zu machen, woran soll man sich bei Entscheidungen für oder gegen eine Behandlung orientieren? Ein Schwerpunkt unserer Arbeit liegt darin, für diese Frage auf wissenschaftlicher Ebene Leitlinien für Priorisierungsentscheidungen bzw. Entscheidungswege zu erarbeiten.

Kooperationen

Es ist für unser Institut selbstverständlich, wissenschaftliche Studien in diesem Bereich in enger Kooperation mit Leistungsträgern (z. B. Krankenversicherungen, Renten-versicherungen) und Leistungserbringern (z. B. Krankenhäusern, Ärzten, Therapeuten) umzusetzen. Die Ergebnisse liefern wichtige Daten für die Interventionsebene des Gesundheitswesens, ermöglichen Entscheidungen über neue Behandlungswege oder Vernetzung von Versorgern.

Ansprechpartner: Michael Lauerer

 

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